Schon immer haben sich Menschen mit Mut und Unternehmergeist im Erzgebirge niedergelassen, wohl wissend, dass man dort auf geschickte und fleißige Menschen bauen kann.

Der Marienberger Unternehmer und Stadtrat Gerhard Baldauf hatte die Vorzüge der Region und die Zeichen der Zeit erkannt, als er vor mehr als einhundert Jahren die Knopf- und Metallwarenfabrik Gebrüder Baldauf in Marienberg gründete. Ihre Erzeugnisse wurden in viele Länder der Erde versandt. Im Laufe der Jahre erwarb sich die Fabrik in ihrer Branche Weltruf.

1912 erteilte Gerhard Baldauf dem Zwickauer Architekten Gustav Hacault den Auftrag zum Um- und Erweiterungsbau seines Landhauses in Marienberg. Es entstand eine repräsentative, in Elementen des Jugendstils gehaltene Villa mit imposantem Wintergarten. Sie stellt ein zu der damaligen Zeit für Marienberg und Umgebung herausragendes Zeugnis der Villenarchitektur dar.

Charakteristisch für das äußere Erscheinungsbild ist der gestalterische Formenreichtum der Fassaden. Die Gestaltung der Villa erfolgte sehr aufwändig und geschmackvoll. Auch die differenzierte Dachkonstruktion trägt zu einer lebendigen Wirkung der Architektur bei. Das Innere spiegelt das Repräsentationsbedürfnis und die Wohnkultur des Bauherrn wider.

Die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges, die Inflation und die Weltwirtschaftskrise führen zu finanziellen Schwierigkeiten für die damaligen Besitzer. Die Villa muss 1936 an den Inhaber der Firma Lesser, Clausnitzer & Co. mit Sitz in Dresden verkauft werden. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird das Gebäude durch die Sowjetische Militäradministration Deutschlands beschlagnahmt und die Firma Lesser entschädigungslos enteignet. Damit gehen die Villa und das Grundstück in Marienberg ebenfalls in Volkseigentum über. Ab 1952 wird die Villa öffentlich genutzt, bis 1989 als „Haus der Pioniere“, seit 1991 als Schülerfreizeitzentrum des Landkreises Marienberg, seit 1997 als Kultur- und Freizeitzentrum des Mittleren Erzgebirgskreises.

Heute ist die „Baldauf Villa“ ein Zentrum für Kunst und Kultur im Kul(T)our-betrieb des Erzgebirgskreises und lädt dazu ein, Jugendstil hautnah zu erleben und das Ambiente des Hauses mit der weitläufigen Parkanlage zu genießen.

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen lassen das Baudenkmal im neuen Glanz erstrahlen. Es bietet heute auch für Begegnungen von Vertretern aus Wirtschaft, Kunst und Kultur das entsprechende Ambiente.

Besucher können zudem ein großes Angebot kultureller Veranstaltungen nutzen, Dialoge über Jugend & Stil verfolgen, sich über traditionelles Kunsthandwerk informieren, Ausstellungen, Präsentationen und Hausführungen beiwohnen, in Kunst und Kultur, Konzerte und Veranstaltungen eintauchen.

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1907 - 1908

Bau Landhaus, Bauherr: Stadtrat Theobald Baldauf (Inhaber der Knopf- und Metallwarenfabrik Gebrüder Baldauf Marienberg/Sa.)
Architekten: Zapf & Basarke Chemnitz

1912 - 1913
Um- und Erweiterungsbau zur Villa, Bauherr: Stadtrat Gerhart Baldauf (ab 1909 Inhaber der Knopf und Metallwarenfabrik Gebrüder Baldauf Marienberg/Sa.), Architekt: Gustav Hacault aus Zwickau

1913
Anbau des Wintergartens

1936
Verkauf an Herrmann Lesser, Inhaber der Firma Lesser, Clausnitzer & Co, Stroh- und Filzhutfabrik mit Sitz in Dresden/Leuben

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1937 - 1940
Ferienheim für die Arbeiter der Firma Lesser

Februar - Juli 1945

Säuglingsheim

September 1945
Entbindungsstation des Marienberger Krankenhauses

Oktober 1945
Kreiskommandantur der Sowjetischen Militäradministration

1946
Firma Lesser wird auf der Grundlage des Volksentscheides entschädigungslos enteignet. Villa geht in Volkseigentum über

1952
Pionierhaus "Phillipp Müller"

1982
Mit Wirkung vom 01.06.1982 wird das Gebäude des Pionierhauses durch den Rat des Kreises Marienberg unter Denkmalschutz gestellt

Säuglingsheim

1991
Schülerfreizeitzentrum des Mittleren Erzgebirgskreises

1997
Kultur- und Freizeitzentrum des Mittleren Erzgebirgskreises

2009
Die Baldauf Villa wird ein Teilbetrieb
des kultour Eigenbetriebes des Erzgebirgskreises

Literaturnachwuchspreis

2020 11 06 Grenzgaenger

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